Seit Ende 1999 nehmen wir in Presse und Öffentlichkeit ein zunehmendes Erschrecken über Kindesaussetzungen, über Funde von toten oder ausgesetzten Babys wahr. Viele Menschen sehen und immer mehr kommen zu der Erkenntnis, dass hier Dinge geschehen, die nicht tragbar sind und dass man hier etwas ändern kann und muss.
1999 ist in Hamburg die erste „Babyklappe“ als Reaktion auf die große Zahl ausgesetzter Babys, 1999 bundesweit 40, die Dunkelziffer ist weitaus höher, eröffnet worden. Diese Babyklappe sollte Frauen in Not die anonyme Abgabe ihres Kindes, das sie nicht versorgen können, ermöglichen. Mittlerweile entstanden ähnliche Initiativen, z.B. in Berlin, Amberg, Trier, Koblenz, Worms und andere.
Im Frühjahr 2001 begannen im Krankenhaus St. Marienwörth Überlegungen, solch eine ähnliche Einrichtung zu eröffnen. Es wurde beschlossen, ein „Babyfenster“ am Krankenhaus St. Marienwörth einzurichten. Ziemlich früh war man der Ansicht, dass diese Initiative für das Leben nicht im Alleingang, sondern mit Kooperationspartnern geschehen soll. So begannen zuerst Gespräche mit dem Sozialdienst Katholischer Frauen in Bad Kreuznach und mit Frau Bürgermeisterin Martina Hassel, als zuständige Sozial- u. Jugenddezernentin der Stadt
Bad Kreuznach. Schnell war man sich einig, dass eine Kooperation in diesem Bereich sinnvoll und auch realisierbar sei. So ist für Anfang 2002 die Einweihung des „Babyfensters“ am Krankenhaus St. Marienwörth in Bad Kreuznach geplant.
Träger der Einrichtung ist das Krankenhaus St. Marienwörth, Bad Kreuznach, in Kooperation mit dem Sozialdienst Katholischer Frauen, Bad Kreuznach, und der Stadtverwaltung, Jugendamt, Bad Kreuznach. Ausschlaggebend dafür ein „Babyfenster“ am Krankenhaus St. Marienwörth einzurichten war die verkehrsgünstige Lage des Krankenhauses, welche die Erreichbarkeit und sogleich die für die Anonymität nötige Distanz gab, sowie die zentrale Lage des Krankenhauses St. Marienwörth in der Stadt Bad Kreuznach.
Ferner verfügt das Krankenhaus St. Marienwörth über ein qualifizierte und anerkannte geburtshilfliche und gynäkologische Abteilung, welche die fachlich und menschlich gute Versorgung der Babys sicherstellt. Die geburtshilfliche und gynäkologische Abteilung ist mit allen zeitgemäßen Einrichtungen ausgestattet und gewährleistet eine volle Funktion rund um die Uhr, mit Blick auf die Versorgung von Neugeborenen. Die ärztliche Kompetenz ist sichergestellt durch die beiden Kinderärzte, Frau Dr. med. Cornelia Glagau und Herrn Dr.med. Gerhard Link, sowie durch die fachliche Kompetenz von dem leitenden Belegarzt der geburtshilflichen und gynäkologischen Abteilung, Herrn Dr. med. Adalbert Walkowsky. Auch die pflegerischen Mitarbeiterinnen der Neugeborenenabteilung verfügen über ein fachlich hohes Know-how und waren bei der Planung des Projektes stets involviert.
Ziel des Projektes ist es, für eine akute Notlage eine Hilfe zu bieten. Werdende Mütter, die ihre Schwangerschaft verheimlichen müssen oder das Kind nach der Geburt nicht behalten können, soll die Möglichkeit einer anonymen und einfachen Übergabe des Neugeborenen in fürsorgliche Hände bekommen. Neben der Hilfe für das Baby steht selbstverständlich auch die Hilfe für die Mutter im Vordergrund, die oft in einer solchen Situation überfordert und in Verzweiflung ist. In diesem Bereich bauen wir auf das fachliche Know-how des Sozialdienstes Katholischer Frauen.
Eingerichtet soll das Babyfenster im hinteren Bereich des Krankenhauses St. Marienwörth werden. Der Ort des Babyfensters ist gut, aber dennoch anonym erreichbar. Es wird ein ca. 70 x 60 x 60 cm großer Metallkasten in leuchtender Farbgebung, an dessen Vorderseite eine Tür angebracht ist, durch welche die Mutter das Baby in das gewärmte, gut gepolsterte Bettchen im Inneren des Kastens legt. Nach Schließung der Tür ist diese von außen nicht mehr zu öffnen. Ein zeitversetztes Signal, welches der Mutter das unerkannte Weggehen ermöglicht, holt eine Kinderkrankenschwester oder Hebamme aus der geburtshilflichen Abteilung zu dem „Babyfenster“, wo durch eine zweite Tür an der Innenseite des Fensters das Baby entnommen und zur ärztlichen Untersuchung auf die Station gebracht wird. Nach der ärztlichen Untersuchung wird das Kind pflegerisch und menschlich-fürsorglich betreut.
Der nächste Schritt ist dann die Benachrichtigung des Standesamtes und des Jugendamtes, um die Übernahme in eine Pflegefamilie und gegebenenfalls die Adoption vorzubereiten. Somit tragen alle drei Partner dazu bei, dass ein Kind in sichere, fürsorgliche Obhut gegeben wird und somit eine Chance zum Leben erhält.
Die Absprachen mit verschiedenen Behörden und Organisationen im Vorfeld waren wichtig und sind ein wesentlicher Teil der Qualität des Angebots. Hier sind besonders zu nennen vom Sozialdienst Katholischer Frauen, Frau Lenz, als Geschäftführerin, und Frau Schneider, als Vorsitzende, sowie Frau Bürgermeisterin Hassel, als zuständige Sozialdezernentin. Vereinzelt wurde auch die Frage gestellt, ob man es jungen Müttern nicht zu einfach mache, ob nicht eine Mentalität „dafür soll der Staat sorgen“, der Verantwortungslosigkeit Vorschub geleistet würde. Wir sehen diese Gefahr nicht, da wir meinen, dass Mütter, die sich zu einem solchen Schritt entschließen, in der Regel aus einer extremen Notsituation heraus handeln, die ein kühles Abwägen von Alternativen und das Ergreifen der angebotenen Hilfen ausschließt. In dieser Situation den Müttern eine menschliche, verantwortbare Alternative zur Aussetzung anzubieten, ist unser erstes Ziel.
Insgesamt geht es uns aber bei der Bereitstellung dieser Möglichkeit, bei der Einrichtung eines „Babyfensters“, um eine Initiative für das Leben. Mit dieser Initiative möchten wir die Gesellschaft für die bestehende Problematik sensibilisieren. Damit wir alle auf dem Weg zu einer lebensfreundlichen mitmenschlichen Gesellschaft weiterkommen.
Diese Initiative, das „Babyfenster“ Bad Kreuznach, ist auch mit hohem finanziellem Aufwand verbunden. Daher wurde am Krankenhaus St. Marienwörth ein Spendenkonto eingerichtet. Alle eingehenden Spenden werden nur für dieses Projekt verwendet und dem Spender mit einer Spendenquittung bestätigt. Spendenkonto Stichwort „Babyfenster“ Konto-Nr. 49502 bei der Sparkasse Rhein-Nahe BLZ 560 501 80. Ob der Aufwand des Unternehmens und das Ergebnis in einem vertretbaren Verhältnis stehen, ist uns nicht wichtig. Wenn auch nur ein Kind dadurch vor dem Tod bewahrt wird, dann hat sich für uns alle die Mühe gelohn


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