Schwabinger Krankenhaus: Aus für die anonyme Geburt

München – Vor acht Jahren wagte die Stadt eine kleine Revolution: Die anonyme Geburt sollte Frauen in Not helfen, ihr Kind im Krankenhaus zur Welt zu bringen. Doch damit soll nun Schluss sein.

Für viele Frauen ist die Geburt eines Kindes das höchste Glück des Lebens, andere versetzt die Niederkunft in größte Not. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mal ist die Ursache eine Vergewaltigung, andere Frauen verheimlichen ihre Schwangerschaft aus religiösen Motiven. Viele dieser Frauen laufen Gefahr, eine Kurzschlusshandlung zu begehen und ihr Kind zu töten.

Seit Jahren wird nach Wegen gesucht, solchen Frauen zu helfen. Der bekannteste – aber nicht unumstrittene – ist die Babyklappe, an der Frauen ihr Kind unerkannt abgeben können. Die anonyme Geburt geht noch einen Schritt weiter. Die Schwangere muss ihr Kind nicht alleine zur Welt bringen, sondern erhält im Krankenhaus ärztliche Unterstützung – und dies, ohne die eigene Identität offenbaren zu müssen. Nach der Geburt wird das Kind in Obhut genommen. Die Mutter kann sich zwei Monate lang überlegen, ob sie ihr Neugeborenes annehmen will. Ansonsten wird es zur Adoption freigegeben.

Seit 2002 bietet das städtische Krankenhaus Schwabing die anonyme Geburt an, rudert nun aber nach einem Chefarztwechsel zurück. Die städtische Klinik GmbH habe keine Möglichkeit, die anonyme Geburt dem Arzt anzuweisen, sagte Geschäftsführer Reinhard Fuß gestern vor dem Gesundheitsausschuss des Stadtrats. Es bestünden haftungs- und strafrechtliche Bedenken.

Das Problem: Das geltende Personenstandsgesetz verpflichtet jeden, der von einer Geburt weiß – also auch den Arzt – diese dem Standesamt mitzuteilen. Bei der anonymen Geburt geschieht dies nicht. Der Arzt könnte mit dem Gesetz in Konflikt kommen, sollte ein Kind nach seiner Identität forschen und klagen. „Uns sind die Hände gebunden“, sagte Fuß.

Der Stadtrat will dies indes nicht hinnehmen. CSU, Grüne, FDP und Linke sprachen sich für eine Empfehlung aus, das Angebot aufrecht zu erhalten und eine rechtliche Prüfung zu veranlassen. Einzig die SPD votierte dagegen.

„Das Angebot hat sich bewährt“, sagte Grünen-Fraktionschefin Lydia Dietrich, die das Thema per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung gebracht hatte. Auch Manuela Olhausen (CSU) meinte: „Mir ist lieber, die Mutter geht ins Krankenhaus, als wenn sie das Kind zu Hause bekommt.“

Die Babyklappe am Schwabinger Krankenhaus indes bleibt. Auch da ist der Grund ein juristischer: Im Gegensatz zur anonymen Geburt kennt hier niemand die Mutter. Somit kann auch niemand zur Verantwortung gezogen werden.

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