Paderborn. Gerade, wenn man meinen könnte, dass diese Einrichtung nicht mehr ganz so notwendig ist, zeigt die Realität häufig, dass das Leben anders ist: Immer wieder führen Schwangerschaften bei Frauen zu extremen Notsituationen, in denen eine sogenannte „Babyklappe“ der letzte Ausweg sein kann. Mit dem „Moses-Babyfenster“ wurde in Paderborn bereits Ende 2001 eine von insgesamt 93 Stationen eingeweiht, die es mittlerweile in Deutschland gibt. Den Anfang machte Hamburg im April vor 15 Jahren.

In Paderborn ging der Alarm zuletzt im September 2013, als ein neugeborener Junge Am Busdorf 3 in das gewärmte Bettchen hinter dem sichtgeschützten Fenster gelegt wurde. Acht Kinder wurden hier bislang anonym abgegeben, eines von ihnen kehrte später zu seiner Mutter zurück.

Sobald das Baby in dem Bett liegt, löst sich automatisch ein internes Signal, das zeitgleich die Bereitschaftszentrale im benachbarten St.-Vincenz-Krankenhaus und die Kinderklinik informiert, so dass für eine rasche Versorgung und medizinische Untersuchung des Kindes gesorgt ist. Vor dem Babyfenster informiert ein Modell, wie das Hilfsangebot funktioniert.

Häufig sind die Neugeborenen nur leicht bekleidet, ein erster Hinweis auf die schwierigen Umstände ihrer Geburt, die von der betroffenen Mutter meist absolut geheim gehalten wird. Neben dem Bettchen liegt im Babyfenster immer ein Pärchen Memorykarten bereit, als unverbindliches Angebot für die Mutter, die eine der Karten an sich nehmen kann – als Verbindungs- und Wiedererkennungsmerkmal. Nach der Erstversorgung und Untersuchung bekommt das Baby eine Geburtsurkunde, zeitgleich wird der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) informiert, über den eine geeignete Pflegefamilie für den neuen Erdenbürger gesucht wird.

Finanziert wurde die Einrichtung in Paderborn durch vier Ordensgemeinschaften und die Erzdiözese, die laufenden Kosten werden von einem Verein getragen, der von den Initiatoren gegründet wurde. „Das Thema Babyfenster ist immer wieder aktuell, da es nach wie vor Fälle gibt, bei denen Babys in der Müllentsorgung landen“, heißt es in einem Exposé, in dem die Initiative über ihre Arbeit berichtet.

Der jüngste Fall der Babyleiche, die am 18. April in Delbrück neben einer Sporthalle gefunden wurde, führte zunächst in diese Richtung. Da das Kind laut Staatsanwaltschaft jedoch bereits tot geboren wurde, stellt sich die Frage nach einer eventuellen Rettung seines Lebens durch das Babyfenster hier nicht. Sehr wohl werfen die Umstände ein Licht auf die Not und Hilflosigkeit von Frauen, die auch von Angeboten wie der aktuell politisch propagierten anonymen oder vertraulichen Geburt nicht erreicht werden. Im Gegensatz zur vollkommen anonymen Abgabe im Babyfenster wird die Identität der Mutter bei der vertraulichen Geburt festgehalten und kann vom Kind ab dem Alter von 16 Jahren eingesehen werden.

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