Korbach. In der Hoffnung aller Beteiligten, dass sie niemals zum Einsatz kommen wird, ist am Mittwoch die Babyklappe am Stadtkrankenhaus Korbach in Betrieb genommen worden. Die Einrichtung soll es verzweifelten Müttern ermöglichen, ihr Neugeborenes im Notfall abzugeben – und zwar ganz anonym und in ganz sichere Hände.
Die Babyklappe an der Hessenklinik ist die erste in Waldeck-Frankenberg und neben der am Kasseler Marienkrankenhaus die zweite in Nordhessen. Die Einrichtung wurde an der Rückseite des Krankenhauses installiert, ist von der Dr.-Hartwig-Straße aus erreichbar und ausgeschildert.
Die Kosten der Anlage bezifferte Markus Hesse, Technik-Leiter der Klinik, auf insgesamt 20 000 Euro. Im Fall des Falles, den keiner will, für den die Klappe aber nun vorgehalten wird, öffnet sich auf Knopfdruck die gläserne Schiebetür. Mütter können ihr Neugeborenes dann unerkannt in ein auf 37 Grad erwärmtes Babybett legen und verschwinden. Rund um die Uhr wird Alarm ausgelöst (Siehe Hintergrund).
Als letzten Ausweg für die verzweifelten Mütter wollte Bürgermeister Klaus Friedrich die Babyklappe verstanden wissen. Er erinnerte an die Diskussion und an die schließlich einstimmige Entscheidung des Korbacher Stadtparlaments, bei der Klinik-Erweiterung auch die Einrichtung der Babyklappe zu verwirklichen.
Mit dieser Babyklappe verbinde die Kreisstadt keine „Leuchtturm-Funktion“ für andere Städte und Gemeinden, betonte Klaus Friedrich. Zum Betrieb sei ein funktionierendes, lückenloses Netzwerk nötig – von Hebamme, Krankenschwester und Arzt der Geburtshilfe-Station über Kirchen und Adoptionsberater des Jugendamtes bis hin zu Kinderarzt und schließlich zu den Pflegeeltern.
Entscheidung fürs Leben
Ein Ort schwieriger Entscheidungen; Entscheidungen der betroffenen Frauen für das Leben ihrer Neugeborenen: Diesen Aspekt der Babyklappe stellte der evangelische Klinik-Seelsorger, der Nieder-Warolder Pfarrer Michael Böttcher, heraus. Der katholische Seelsorger Burkhard Speicher sprach zur Einweihung der Einrichtung ein Gebet.
Hintergrund
Knopfdruck löst Alarm aus
So funktioniert die Babyklappe am Korbacher Stadtkrankenhaus: Drückt eine Mutter auf den Türöffner-Knopf und fährt die gläserne Schiebetür auf, dann wird Alarm auf den Handys der Stationsschwester und der Hebamme ausgelöst. Liegt tatsächlich ein Baby in der Klappe, wird das Jugendamt des Kreises informiert. Nach Aufnahme und Untersuchung in der Klinik wird ein Baby – sofern gesund – vom Jugendamt an eine Pflegefamilie vermittelt. (aha)
Bildunterschrift: Eine Einrichtung, viele Partner: Zum Betrieb der Korbacher Babyklappe arbeiten Hessenklinik, Jugendamt, Stadt, Kirchen und Ärzte zusammen, von links deren Vertreter: Dr. Istvan Szini (Chefarzt Geburtshilfe), Carmen Schäfer und Hans Vauperl (Jugendamt), Seelsorger Michael Böttcher, Bürgermeister Klaus Friedrich, Seelsorger Burkhardt Speicher und Kinderarzt Dr. Hans-Friedrich Kobel

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