Rotenburg/Wümme (epd). Babyklappen oder „Babykörbchen“ sind öffentlich zugängliche, geschützte Wärmebettchen, in die Frauen anonym ihr Neugeborenes legen und damit zur Adoption freigeben können. Über einen Alarm werden eine Klinik oder Hebammen auf das Kind aufmerksam gemacht, so dass sie sich um den Säugling kümmern können.
In Deutschland wurde vor zehn Jahren in Hamburg die erste Babyklappe eingerichtet. Seitdem wurden dadurch 300 bis 500 Kinder zu „Findelkindern mit dauerhaft anonymer Herkunft“, wie es in einer im November 2009 veröffentlichten Stellungnahme des Deutschen Ethikrats hieß. Die Zahl ist umstritten. Derzeit gibt es bundesweit fast 100 Babyklappen, die meist von kirchlichen Einrichtungen getragen werden. Daneben können bundesweit in rund 130 Krankenhäusern anonyme Entbindungen vorgenommen werden. Dabei gibt die Frau ihre Identität nicht preis.
In Hannover wurde 2001 auf Initiative der damaligen evangelischen Bischöfin Margot Käßmann das Projekt „Mirjam – ein Netzwerk für das Leben“ gegründet. Es bietet neben einem Notruftelefon und anderen Angeboten für Mütter in Not auch ein „Babykörbchen“ im Diakonie-Krankenhaus Friederikenstift.
Babyklappen sind heftig umstritten. Eine bundesweit qualifizierte wissenschaftliche Auswertung zu dem Thema gibt es bislang nicht. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums wird zum Mai 2011 erwartet. Unter Fachleuten ist umstritten, ob Frauen, die ihr Kind töten wollen, durch Babyklappen erreicht werden. Auch meinen Kritiker, dass bei den Babyklappen das Recht auf Wissen um die eigene Herkunft außer acht gelassen werde.
Anfang 2008 machte ein Fall in Hannover Schlagzeilen. Vor der Babyklappe des Friederikenstiftes war ein Neugeborenes abgelegt worden. Der Säugling wurde erfroren aufgefunden, und es stellte sich heraus, dass sich die Klappe nicht öffnen ließ. Es blieb allerdings ungeklärt, ob die Mutter versucht hatte, das Kind in das Wärmebett zu legen, oder ob der Junge zu dem Zeitpunkt schon tot war.
Die Idee der Babyklappe ist alt. Findelhäuser für Waisen gab es schon vor Jahrhunderten, und auch in vielen Klöstern wurden damals schon Babys anonym abgegeben. Papst Innozenz III. ließ gegen Ende des 12. Jahrhunderts verfügen, dass an den Pforten zahlreicher Findelhäuser sogenannte Drehladen angebracht wurden, um die geheime Abgabe besser zu ermöglichen und die Ermordung unerwünscht geborener Kinder zu verhindern. Babys konnten in die Vorrichtungen gelegt und in das Gebäudeinnere gedreht werden.

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