Minden (mt). Sie ist die allerletzte Chance für Mütter, die keine Zukunft für sich und ihr Kind sehen – die Babyklappe. In Minden wurde sie vor zehn Jahren vom Diakonischen Werk an der Straße „Am Brühl“ eingerichtet.
Im Sommer dieses Jahres fanden Pflegekräfte des Albert-Nisius-Altenheims, an das die Babyklappe angegliedert ist, zum ersten Mal einen Säugling in der Babyklappe. Eine verzweifelte Mutter hatte ihre Tochter in das Bettchen gelegt, das ständig warmgehalten wird. Durch das Öffnen der Klappe wurde im Altenheim ein Alarm ausgelöst, und bereits wenige Minuten später fanden Pflegekräfte das Neugeborene. Die Mitarbeiter informierten die Kinderklinik des Johannes-Wesling-Klinikums, die das Baby schließlich in ihre Obhut nahm. Einen Tag später meldete sich die Mutter, die nicht im Kreis Minden-Lübbecke lebt. Über das, für sie zuständige, Jugendamt wurde ihr schließlich Hilfe für sich und das Kind angeboten.
Aus der Arbeit in der Beratungsstelle für Schwangere war vor zehn Jahren die Idee zur Mindener Babyklappe entstanden. Vorbild waren ähnliche Einrichtungen in der Bundesrepublik, wie zum Beispiel der Sternipark in Hamburg, wo ein Jahr zuvor die erste Babyklappe bundesweit eingerichtet worden war. Es war die Reaktion auf den Fund eines toten Babys auf dem Laufband einer Recyclinganlage.
Kurz danach wurden dann zwei Babyklappen in Hamburg Altona und Wilhelmsburg eingerichtet. Mit dem Jahr 2010 neigt sich das dritte Jahr in Folge dem Ende zu, ohne dass in Hamburg ein Neugeborenes tot aufgefunden worden ist.
In den Babyklappen wurden in diesem Jahr wie 2009 jeweils zwei Neugeborene gefunden. Aus ihrer langjährigen Erfahrung, als Leiterin der Beratungsstelle für Familienplanung des Diakonischen Werkes (Die Fam), weiß Leona Schoppengerd-Brast, dass es leider immer wieder Frauen gibt, die – aus den unterschiedlichsten Gründen – keine Möglichkeit sehen, ihr Kind groß zu ziehen.
Die Babyklappe sei der letzte Ausweg, wenn alle Versuche, die Schwangere anders zu erreichen, fehlgeschlagen seien, meint Leona Schoppengerd-Brast. Sie hofft jedoch, dass Schwangere vor einem solchen Schritt im Vorfeld den Kontakt zu einer Beratungsstelle suchen. Findelkinder hätten nie die Chance, irgendwann ihre Wurzeln zu suchen, gibt sie zu bedenken.
„Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass Frauen, die in eine Beratungsstelle kommen, anschließend in der Lage sind, andere Lösungen für sich und ihr Kind zu finden“, weiß Leona Schoppengerd-Brast. Leider scheuten sich jedoch viele Frauen, Kontakt aufzunehmen. Für sie gebe es neben der Beratungsstelle an der Fischerallee 4 als erste Anlaufsstelle das Öffentlichkeitszentrum am Kleinen Domhof. Dort könnten sie anonym – erste Kontakte aufnehmen.
In der Regel wollten Frauen nicht, dass ihre Schwangerschaft in ihrem unmittelbaren Umfeld – Familie, Nachbarn, Arbeitskollegen – bekannt werde. Für sie könnten anonyme Geburten, die es jedoch bislang nur in Hamburg gibt, ein Ausweg sein. Im Krankenhaus würden die Frauen nach der Geburt nicht allein gelassen, sondern weiter betreut.

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