Am 1. Dezember wurde im Spandauer Waldkrankenhaus die vierte Babyklappe Berlins „geöffnet“. Nach dem Willen der kirchlichen Initiatoren, einem Verbund von Caritas und Diakonie, sollen noch dieses Jahr an zwei weiteren Standorten der Hauptstadt Möglichkeiten für in Not geratene Mütter geschaffen werden, ihre Neugeborenen anonym abzugeben. Doch die Babyklappe stößt auf immer größeren Widerstand der Jugendämter.

Hinweisschilder „Babynest“ weisen am evangelischen Waldkrankenhaus an der Stadtrandstraße zur weißen Tür an der Rückseite des Pförtnerhauses, hinter der sich die Babyklappe verbirgt. Wird dann ein Kind in die gepolsterte Schale gelegt, gibt es nach zwei Minuten Alarm beim Pförtner, der die Kinderstation verständigt. „Wir verstehen das als Teil unseres Auftrages, den Patientinnen zu helfen“, sagt Pflegedirektorin Ute Dormeier. Die Bezirksverordneten-Versammlung hatte sich auf CDU-Initiative für die Einrichtung der Klappe ausgesprochen. Die 7500 Euro Baukosten kamen aus Spenden. Wird ein Baby abgegeben, dann wird umgehend das Jugendamt als Amtsvormund per Fax unterrichtet. Die Leitung des Waldkrankenhauses will mit dem Angebot ausdrücklich auch überforderte Mütter in den märkischen Nachbarkreisen Havelland und Potsdam-Mittelmark erreichen.

In Brandenburg wird nach dem Fall des ausgesetzten Kindes Pauline, dessen Friesacker Mutter vergeblich nach einer Babyklappe gesucht hatte, und dem Fund eines toten Neugeborenen in Teltow-Fläming der Ruf nach der Einrichtung von Babyklappen immer lauter. Das Berliner Landesjugendamt macht hingegen Druck gegen die Einrichtungen, weil Jugendfürsorger vor Missbrauch, außerdem vor einer Traumatisierung der Kinder mit ungewisser Herkunft warnen und rechtliche Fragen ungeklärt sind. Ämter, Kliniken und Mütter agieren in einer rechtlichen Grauzone. Wer Namen von Mutter oder Kind „unterdrückt“, macht sich eigentlich strafbar.

Eine parteiübergreifende Gesetzesinitiative zur Legalisierung von Babyklappen und anonymer Geburt war im Sommer im Bundestag aber gescheitert.

„Es ist nicht erwiesen, dass durch die Babyklappe weniger Kinder ausgesetzt oder umgebracht werden“, begründet Landesjugendamtsleiterin Ulrike Herpich-Behrens die Kritik ihrer Behörde am Ausbau des Netzes. Wurden 2001 insgesamt vier Kinder in die drei Klappen im Krankenhaus Neukölln, dem Tempelhofer St. Joseph-Krankenhaus und dem „Waldfriede“ in Zehlendorf gelegt oder anonym in Kliniken geboren, so waren es 2002 nach Angaben des Landesjugendamtes bisher schon sieben. Darunter ist der noch immer unaufgeklärte Fall des erstochenen Kindes, das am 8. Juli in die Babyklappe des Zehlendorfer Krankenhauses Waldfriede gelegt wurde. Früher habe es in der Stadt jährlich „maximal zwei ausgesetzte Kinder und zwei bis vier Kindstötungen“ gegeben, argumentiert Herpich-Behrens.

Spandaus Jugendstadträtin Ursula Meys (SPD) sah deshalb „weiteren Klärungsbedarf“ und hatte zur Inbetriebnahme des Spandauer Babynestes am ersten Advent die Vereinbarung mit dem Waldkrankenhaus noch nicht unterzeichnet. Auch das Krankenhaus Lichtenberg, in dem die Klappe bereits im Sommer installiert wurde, hat bis heute keine Einigung über die Inbetriebnahme erzielt.

„Uns wurde mitgeteilt, dass die Kostenübernahme für die Behandlung der Kinder durch die Jugendämter nicht gesichert ist“, sagt Kliniksprecherin Christine Schaller. Auch Verhandlungen zum Elisabethstift Hermsdorf und den Caritas-Kliniken Pankow als Standorte waren bisher erfolglos. Ursula Künning, Projektkoordinatorin für die Babyklappen, ist trotzdem optimistisch: „Wir werden uns einigen. Bis Jahresende wird es in Berlin sechs Babyklappen geben.“

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