Bereits an der Zufahrt ist sie gut ausgeschildert: die unscheinbare Luke, eingelassen in die Wand auf der Rückseite des Schongauer Krankenhauses, darüber ein Schild mit der Aufschrift „Babyklappe“. Abgeschieden von Besuchern und Patienten, können hier Mütter anonym ihr Baby in die Klappe legen. Wenn es nach dem Ethikrat geht, würde diese Einrichtung so schnell wie möglich abgeschafft – weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft verletzt.
In Schongau und Weilheim gibt es die Babyklappe seit 2001 – und in den Krankenhäusern steht man hinter dem Konzept: „Wenn dadurch nur das Leben eines einzigen Babys gerettet werden kann, ist das ein Erfolg“, sagt Elisabeth Ulmer, Leiterin der Krankenhaus GmbH. Im Weilheimer Krankenhaus sind seit der Installation der beiden Babyklappen bereits zwei Säuglinge abgegeben worden.
Ist die Klappe geöffnet, steht im Inneren ein kleines Bettchen bereit. Nachdem sie geschlossen ist, dauert es einige Minuten, bis die Pforte alarmiert wird. Die Klappe lässt sich von außen nicht mehr öffnen – wenn die leibliche Mutter ihre Entscheidung überdenkt, kann sie ihr Baby im Krankenhaus wieder abholen. Eine Mutter, die ihr Kind in die Klappe legt, macht sich nicht strafbar, und das Krankenhaus steht unter Schweigepflicht. „Das Angebot ist der letzte Ausweg, wenn andere Angebote nicht greifen“, erklärt Ulmer.
Alternativen zur Babyklappe bieten Einrichtungen wie der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF): Der Verein berät auch im Landkreis Weilheim-Schongau, hat einmal pro Woche Sprechstunde in Peiting. Das Thema „Babyklappe“ stelle sich dort nicht, erklärt die Leiterin der Schwangerschaftsberatung, Diana Müller: „Frauen, die ihr Kind einfach nur weggeben wollen, wenden sich gar nicht erst an uns.“ Der SKK lehnt die Babyklappen nicht grundsätzlich ab, betreibt aber keine mehr: „Wir wollen zeigen, welche anderen Möglichkeiten es gibt – und wir beraten in Not- und Konfliktsituationen“, sagt Müller.
Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet der christliche Verein Donum Vitae: Mit dem „Moses“-Projekt sollen Mütter in schwierigen Lebenslagen schon vor der Geburt des Kindes erreicht werden. Anstelle einer Babyklappe bietet der Verein anonyme Beratung an – und die sogenannte anonyme Geburt. „Die Babyklappen befürworten wir deshalb nicht, weil das Konzept zu wenig umfassend ist“, erklärt Anna Maria Baron von Donum Vitae. Der Verein will weiter gehen: Es soll auch Hilfe für die Mütter geben, damit diese ihr Kind sicher auf die Welt bringen können. „Meiner Erfahrung nach klärt sich vieles auf, wenn man erst einmal Hilfe bekommt“, meint sie.
Die anonyme Geburt und die Möglichkeit, das Kind zur Adoption freizugeben, sind „der letzte Ausweg“, sagt Baron. Dafür fordert der Verein Rechtssicherheit – und bekommt Rückendeckung von der bayerischen Familienministerin Christine Haderthauer (CSU). Dass es sich auch bei der Benutzung der Babyklappe um eine Extremsituation handelt, ist für Ulmer klar: „Wenn eine Frau ihr Baby abgibt, muss sie in furchtbarer Not sein.“ Darum sei es wichtig, einen Ausweg zu bieten.

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