Zum ersten Mal seit ihrer Installation 2004 ist in der vergangenen Woche am Gummersbacher Krankenhaus ein neugeborenes Kind in die Babyklappe gelegt worden. Am Freitag, 2. Januar, wurde das Kind dort um 14.45 Uhr hineingelegt und umgehend medizinisch versorgt.

Der kleine Junge war leicht unterkühlt, ist aber sonst gesund und wohlauf. Die Krankenschwestern, die ihn betreuten, gaben ihm vorläufig den Namen Felix – der Glückliche. Bis gestern wurde Felix auf der Neugeborenenstation des Hauses versorgt und dann durch Vermittlung des Gummersbacher Jugendamtes in die Obhut einer Bereitschaftspflegefamilie gegeben. Dort wird der Kleine schätzungsweise sechs Wochen bleiben.

Ausgesetzt

Zwei Fälle von ausgesetzten Kindern hatten 2004 zur Einrichtung der Babyklappe am Krankenhaus Gummersbach geführt.

2002 war ein neugeborenes Mädchen in einem Hausflur in Gummersbach ausgesetzt worden. Das Kind wurde schnell gefunden, die sehr jungen Eltern meldeten sich später und konnten die Kleine gemeinsam mit Unterstützung ihrer Eltern selbst großziehen.

Im Dezember 2003 wurde ein frühgeborenes Kind in Eckenhagen ausgesetzt und starb an Unterkühlung. (kn)

Sollte sich die Mutter bis dahin nicht gemeldet haben, wird das Kind zur Adoption freigegeben.

Dass die Mutter sich noch meldet, darauf hofft man im Gummersbacher Rathaus, wo man zunächst gezögert hatte, den Fall publik zu machen.

Einerseits könnte dadurch die Mutter unter zusätzlichen Druck durch ihr Umfeld geraten, das die körperliche Veränderung nach der Geburt bemerkt. Schließlich befindet sich die Mutter ohnehin schon in einer ihr ausweglos erscheinenden Situation. „Auf der anderen Seite hat die Mutter gerade eine Geburt überstanden und braucht vielleicht selbst medizinische Hilfe“, sagt Stadtsprecher Siegfried Frank. Die Mutter könne sich anonym melden, so Frank, und auch anonym medizinisch versorgen lassen. Und vor allem kann sie sich immer noch anders entscheiden und ihr Kind doch bei sich aufnehmen. Die Stadt bietet der Mutter dabei ausdrücklich ihre Hilfe an.

Irgendwelche Strafverfolgung drohe der Mutter nicht, unterstreicht Frank. Die Mutter habe ihr Kind ja nicht ausgesetzt, sondern mit der Ablage in der Babyklappe in die kompetenten Hände des Krankenhauspersonals gegeben. Im Inneren der Babyklappe ist ein gepolstertes und temperiertes Bettchen. Erst nach dem automatischen Schließen der Klappe informiert ein Signalton das medizinische Personal.

„Die Babyklappe kann Leben retten“, sagt Klinikumssprecherin Angela Altz, da man nie wisse, was die Muter des Babys in ihrer Verzweiflung sonst womöglich tue.

 

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