Eisenach. Ein Schild am Eingang des Klinikums weist den Weg zum Babykorb. Vorbei geht es an der Notaufnahme bis hin zur überdachten Durchfahrt am Haus C. Ein Stockwerk höher ist die Kinder- und Jugendmedizin zu finden. Unten von außen zugänglich: der Babykorb. Seit neun Jahren gibt es diesen im St.-Georg-Klinkum, und seit neun Jahren wurde er nicht einmal benutzt.

Der Korb ermöglicht Frauen, nach einer Geburt in einer persönlichen Notsituation und ohne weitere Betreuung ihr Kind im Klinikum anonym abzugeben. Hintergrund war, dass es deutschlandweit immer wieder Tötungsdelikte bei Neugeborenen gab. Auch ein Fall aus der Wartburgregion wurde damals bekannt. 2003 fiel dann im St.-Georg-Klinikum die Entscheidung, eine solche Babyklappe einzurichten

.Das Abgabefenster ist von außen zu öffnen und gibt den Zugang zu dem kleinen Bett frei. Dessen Matratze ist angewärmt. Auch ein Brief liegt bereit, der es der Mutter ermöglicht, später doch wieder den Kontakt zum eigenen Kind herzustellen.

Bundesweit werden die Babykörbe mittlerweile skeptisch gesehen. Die Bundesregierung ließ prüfen, ob die Einrichtung von solchen anonymen Abgabemöglichkeiten die Zahl der Kindstötungen zurückdrängt: Tut sie nicht.

Und: Bei der Kritik an den Babyklappen geht es außerdem um das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft. Dieses Recht wiegt schwer. Außerdem: Es ist immer noch eine rechtlich Grauzone, wenn ein Kind anonym abgegeben wird. Eigentlich müsste dies strafrechtlich verfolgt werden. Allerdings gibt es bisher dazu im Falle der Babykörbe keine polizeilichen Ermittlungen.

Im Zuge der Diskussion um die Babykörbe befasste sich das Ethik-Komitee des St.-Georg-Klinikums mit der Entscheidung des Deutschen Ethikrates, das Angebot der Babyklappen und der anonymen Geburt aufzugeben. Außerdem gibt es im St.-Georg-Klinikum die Möglichkeit einer vorübergehend anonymen Geburt. Diese wurde in der langjährigen Praxis bereits einmal angenommen.

Dr. Bernd Ismer, Vorsitzender des klinischen Ethik-Komitees, spricht sich für den Erhalt des Babykorbs aus. „Selbst wenn wir irgendwann auch nur ein Menschenleben retten, hat der Korb seinen Zweck erfüllt“, so der Eisenacher Mediziner.

Das hiesige Ethik-Komitee empfiehlt die Beibehaltung des Babykorbs. Die Mediziner inEisenach hoffen, dass im Fall des Falles vom Angebot einer vorübergehenden anonymen Geburt Gebrauch gemacht wird. Mutter und Kind sind so unter ärztlicher Aufsicht. Außerdem kann dahingehend die Beratung erfolgen, dass eine spätere Annahme des Kindes vorbereitet wird. Zumal die Praxis zeigt, dass Mütter meist nur schwer ihre Entscheidung, das Kind anonym abzugeben, im Nachhinein bereuen.

Opening Hours

Monday

-

Tuesday

-

Wednesday

-

Thursday

-

Friday

-

Saturday

-

Sunday

-

Address & Contact

Our Address

Mühlhäuser Straße 94 , 99817 Eisenach Babyklappe

GPS

50.98817, 10.315600000000018

Email

-