Die Mannheimer St. Hedwig-Klinik will das Leben neugeborener Babys schützen und Frauen in scheinbar aussichtslosen Situationen helfen. Frauen in finanzieller und sozialer Not, die ihr Kind nicht annehmen können und anonym bleiben wollen, haben durch den Babykorb oder die anonyme Geburt Möglichkeiten, das Leben und die Versorgung ihres Kindes in den ersten Lebenstagen und darüber hinaus zu sichern. Bereits 2002 setzte sich der Caritasverband für die Einrichtung eines Babykorbs in Mannheim ein: „Wir haben damals zahlreiche Gespräche mit dem Ministerium, dem Jugendamt und dem Rechtsamt geführt und den Kontakt zu Kurt Hipp, dem damaligen Geschäftsführer der Theresienkrankenhaus und St. Hedwig-Klinik GmbH, gesucht. In Abstimmung mit der Klinik- und der Ordensleitung haben wir den Babykorb und die anonyme Geburt auf den Weg gebracht“, erinnert sich Franz Pfeifer, Vorstandsvorsitzender der Mannheimer Caritas.
Zwischen den Quadraten A2 und B2 befindet sich eine Metalltür in der Wand, die geöffnet und das Baby hineingelegt werden kann. Es ist keine Überwachungskamera installiert, um die Anonymität der abgebenden Person zu gewährleisten. Ein Signal macht die Schwestern der Klinik auf den Neuankömmling aufmerksam. Diese versorgen das Kind, bis das Jugendamt eine Pflegefamilie gefunden hat. „Ich beobachte immer wieder, was für eine innige Beziehung die Schwestern zu den Kindern aus dem Babykorb haben. Sie schenken dem Kind die Liebe, die es braucht“, so die in der St. Hedwig-Klinik tätige Schwester Oberin Regina. Moralische Bedenken in Bezug auf den Babykorb hat sie nicht: „Ich denke, es ist eine gute Sache. Durch den Babykorb wird dem Kind die Chance gegeben, bei Pflegeeltern aufzuwachsen und eine Familie zu finden“. Die Kritik, der Babykorb begünstige eine Aussetzung des Kindes, weist Chefarzt Dr. Job zurück: „Wenn Mütter ihr Kind hierher bringen, sind sie oft so verzweifelt, dass sie weder ein noch aus wissen. Die Pflegefamilien sind zudem vom Jugendamt ausgesucht und geprüft, so dass die Kinder eine gute Zukunft vor sich haben.“ Da der Babykorb in den sieben Jahren seit der Einführung nur fünfmal genutzt wurde, zeigt sich Dr. Jobs Ansicht nach deutlich, dass kein Missbrauch mit der Hilfsmaßnahme getrieben werde, gleichzeitig aber die Notwendigkeit für diese Einrichtung bestehe. Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und der Stadt Mannheim ist wichtig, weil es derzeit kaum gesetzliche Regelungen in Bezug auf den Babykorb gibt.
Bei der anonymen Geburt kann das Kind in der St. Hedwig-Klinik zur Welt gebracht werden, ohne dass die Frau ihre Identität preisgeben muss. Auch um die Kosten der Entbindung müssen sich die Mütter keine Sorgen machen: Sie werden von der Klinik getragen. „Es gibt kein Verhör, bei dem sich die Frau rechtfertigen oder eine Begründung für die anonyme Entbindung ihres Kindes geben muss“, erklärt Dr. Job. Um die Mutter in ihrer Entscheidungsfindung bestmöglich zu beraten, gibt es vor der Geburt Gespräche mit dem Hausseelsorger. Der übernimmt auch eine weitere vertrauensvolle Aufgabe: Bei ihm kann die Mutter für ihr Kind einen versiegelten Brief hinterlegen, der nach Vollendung des 18. Lebensjahres zugänglich ist. Entscheidet sich die Mutter in den ersten drei Monaten nach der Geburt dazu, ihr Kind zu sich zu holen, ist das möglich – ebenso wie beim Babykorb. Nach dieser Zeit wird das Kind vom Jugendamt zur Adoption freigegeben. Die Möglichkeit der anonymen Geburt wurde in Mannheim bisher sechsmal genutzt.
Damit die Hilfsangebote der St. Hedwig-Klinik GmbH weiterhin nur in Notfällen in Anspruch genommen werden müssen, bietet der Mannheimer Caritasverband verschiedenste Unterstützungsmaßnahmen an. „Wir versuchen mit unserem Netzwerk an Beratungs- und Kursangeboten jungen Eltern jede Hilfe zu geben, die sie brauchen, um verantwortungsvoll mit ihrer neuen Aufgabe umgehen zu können“, erklärt Dr. Roman Nitsch, Caritas-Abteilungsleiter für Kinder, Jugend und Familien. In Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) stehen den Müttern psychologisch geschulte Mitarbeiter bereits in der Zeit der Schwangerschaft bei und helfen, einer Überforderung vorzubeugen. In der SKF-Dienststelle in B5 sowie in der St. Hedwig-Klinik und am Universitätsklinikum Mannheim können sich Schwangere in einer offenen Sprechstunde beraten lassen. Mut, die eigene Situation zu bewältigen, schafft der Caritasverband Mannheim auch über eine Kontaktbörse, bei der junge Mütter in ähnlichen Lebenssituationen Erfahrungen austauschen können. Des Weiteren besteht die Möglichkeit einer Online-Beratung, die als Ergänzung zur konventionellen Schwangerschaftsberatung dient. Die Erziehungsberatungsstellen des Mannheimer Caritasverbandes stehen sowohl Eltern als auch Kindern mit Rat und Tat zur Seite. Gemeinsam mit Psychologen und Heil- und Sozialpädagogen werden familieninterne Probleme analysiert und Lösungswege gesucht. Bei Familienproblemen kann außerdem die Sozialpädagogische Familienhilfe bei der Alltagsbewältigung zur Seite stehen. Durch die Ausbildung und Vermittlung von Tagesmüttern greift der Caritasverband zusätzlich berufstätigen Eltern unter die Arme.
Der Caritasverband befürwortet entschieden die Bereitstellung des Babykorbs und die Möglichkeit der anonymen Geburt durch die St. Hedwig-Klinik. „Bei einer Abwägung zwischen der Verletzung des Herkunftsrechts einerseits und dem Schutz des Lebens von Mutter und Kind andererseits, muss der Schutz des Menschenlebens Vorrang haben“, erklärt Franz Pfeifer, Vorstandsvorsitzender des Mannheimer Caritasverbandes.

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